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2010 - PHF-Vorwort Tagungsband

Vorwort

Vor mehr als 100 Jahren begann die Ge­schichte einer Bewegung, die das Pfadfinden zum Schlüssel einer aktiven Kinder- und Ju­gendarbeit machte und heute weltweit mehr als 38 Millionen Heranwachsende zu ihren Mitgliedern zählt. Seit Robert Baden-Po­well im Jahr 1907 das erste experimentelle Pfadfinderlager durchführte, fanden seine Ideen ihren Weg in mehr als 200 Länder.

Die Pfadfinderbewegung ist heute eine inter­nationale, weltanschaulich und politisch unab­hängige Erziehungsbewegung für Kinder und Jugendliche, die für Menschen aller Nationa­litäten und Glaubensrichtungen offen steht. Sie hat das Ziel, die Persönlichkeitsentwick­lung junger Menschen und ihr gesellschafts­politisches Engagement zu fördern und im Wege des "learning by doing" eine sinn- und wertvolle Alternative zur kommerziellen Frei­zeitgestaltung anzubieten.

Von archivarischem Materialstudien und der Sammlung detailgenauer Erlebnisberichte ab­gesehen steht jedoch eine wissenschaftlich fundierte Auseinandersetzung mit dem Pfadfindertum, seinen pädagogischen Grundkonzepten und den geschichtlichen Wandlungsprozessen bislang weitgehend aus.

Angeregt wurde die Fachtagung durch ein Positionspapier des Gründers und heutigen Ehrenvorsitzenden des Pfadfinder Hilfsfond e.V. (PHF), Hansdieter Wittke, der dem Vorstand des PHF im Herbst 2008 seine Vorstellungen im Zusammenhang mit dem hundertjährigen Bestehen der deutschen Pfadfinder vorlegte. Darin stellte er unter anderem fest: Der PHF könne und solle – ich zitiere: „ […] etwas in Bewegung setzen, was die Pfadfinderinnen und Pfadfinder in Deutschland so bisher noch nicht geleistet haben: Die Grundlagen und Entwicklungen der deutschen Pfadfinder wissenschaftlich aufzuarbeiten.“ […] Weiterhin begründet er aus jahrzehntelangem direktem Einblick in die Pfadfinderszene, […] „dass die Pfadfinder ihre Jugendarbeit unterschiedlich gut machen, überzeugt von der Richtigkeit ihres Tuns. Oftmals mit herausragendem Engagement, manchmal auch, weil es immer so gemacht wurde. Mit den Inhalten ihres Tuns, den erzieherischen Vorgängen, deren umfassender Bedeutung etc. befassen sie sich eher weniger, arbeiten mehr intuitiv und mehr oder weniger „grundlagenorientiert“ organisatorisch, bündisch oder pfadfinderisch. Kaum aber wissenschaftlich, hinterfragend, bewertend und öffentlich.“ […] Ferner sei zu fragen: „Sind die Pfadfinder nicht interessiert an ihrem durchaus bemerkenswerten Erziehungssystem? Können oder wollen sie sich mit den aktuellen oder historischen Fragen und Problemen nicht auseinandersetzen? Scheuen sie gar Offenheit und Klarheit oder die Öffentlichkeit? […] Dies aufzuhellen, intellektuell zu bearbeiten und zu dokumentieren, hat die deutsche „Pfadfinderei“ offensichtlich versäumt, auf jeden Fall nicht angemessen und gezielt begonnen oder zusammengeführt. […] Unschwer ist zu erkennen, dass hier ein äußerst spannendes Kapitel deutscher unerschlossener Jugendkultur existiert und der Erweckung bedarf. […] Die zielgerichtete Herangehensweise der Träger deutscher pfadfinderischer Jugendarbeit an dieses Thema ist eine Herausforderung, deren Annahme von ihrer Bedeutung her von herausragendem eigenen Interesse ist“ – Ende der Zitate.

Diesem Gedankenentwurf hat sich der PHF letztlich angeschlossen. Als bundesweit tätiger Förderverein der Pfadfinderarbeit, hat er sich deshalb im Jubiläumsjahr der deutschen Pfadfinderbewegung zur Aufgabe gemacht, mit einer ersten Fachtagung als Impulsveranstaltung diese wissenschaftliche Auseinandersetzung in Gang zu setzen. Die Universität Marburg, Prof. Dr. Eckart Conze und Prof. Dr. Matthias D. Witte, als wissenschaftliche Leiter, sowie PHF, der die Organisation und Finanzierung übernahm, konnten - auch durch persönliche Verbindungen und Vorbereitungen von Hansdieter Wittke - für diese Idee gewonnen werden.

Es ist sicher sinnvoll und gesellschaftspolitisch lohnend, sich mit der Bedeutung der pfadfinderischen Arbeit, ihren besonderen Entwicklungen und deren Auswirkungen wissenschaftlich deutlich intensiver zu befassen, als dies nach unserer Wahrnehmung in Deutschland bisher geschehen ist. Eine systematische Aufarbeitung dieser Form von Jugendarbeit ist überfällig. Sie zu erforschen hat für die Erkenntnis der Vergangenheit, aber auch für die Position heute aktiver Pfadfinderinnen und Pfadfinder gleichermaßen besondere Bedeutung im Hinblick auf Bestandsaufnahme, bewusste Weiterentwicklung und eine Verstärkung ihrer gesellschaftlichen Wahrnehmung und Akzeptanz. Die gesellschaftliche Bedeutung dieser Jugendarbeit zu erfassen, könnte den Boden für ihre Akzeptanz verdichten.

Die Ergebnisse der ersten Fachtagung, die vom 12. bis 14. März 2010 in Wolfshausen bei Marburg stattfand, halten Sie mit diesem Buch in der Hand.

Die Fachtagung „100 Jahre Pfadfinderpäda­gogik“ mit ihrer interdisziplinären Ausrichtung hat dazu beigetragen, das historische und erziehungswissenschaftliche Wissen über diese weltumspan­nende Bewegung zu bündeln, Ergebnisse aus der Forschung zu systematisieren und zukünf­tige Forschungsfelder aufzuzeigen. Sie hat Geschichte, Gegenwart und Zukunft der Pfadfinderpädagogik betrachtet und dabei sowohl deren historische Entwicklung vor dem Hinter­grund der Dynamik gesellschaftspolitischer Rahmenbedingungen als auch deren Gestalt zu Beginn des 21. Jahrhunderts beleuchtet. Sie hat exemplarisch herausgearbeitet, wie sich die Pfadfinderpädagogik über ein Jahrhundert entwickelte und veränderte, aus welchen unterschiedlichen Ideenwelten und Vorstellungen sich der erzieherische Anspruch und das erzieherische Handeln der Pfadfin­derbewegung seit ihrer Entstehung vor 100 Jahren speiste und wie schließlich zu unter­schiedlichen Zeiten unterschiedliche politi­sche, gesellschaftliche und sozialkulturelle Rahmenbedingungen die pädagogischen Vor­stellungen und das pädagogische Handeln beeinflussten.

Folgende Fragen bestimmten das Programm und wurden im Rahmen der Veranstaltung dis­kutiert:

  1. Wie prägt sich eine Pädagogik der Pfadfin­der strukturell aus?
  2. Welche Etappen der Pfadfinderpädagogik sind beobachtbar und woran waren sie kon­zeptuell orientiert?
  3. Welchen Einfluss nehmen die jeweiligen ge­sellschaftspolitischen Rahmenbedingungen auf die Pfadfinderpädagogik?
  4. Ist die Pfadfinderpädagogik eine zeitgemäße Bildungsform?

Die Fachtagung richtete sich an Per­sonen, die sich im Rahmen ihrer wissenschaftlichen Ausbildung und Tätigkeit der Pfadfinderpädagogik sowie dem erlebnis- und handlungsorientierten Erfahrungslernen in der Natur widmen. Sie zielte gleichermaßen ab auf aktive Pfadfinde­rinnen und Pfadfinder – vorzugsweise in Füh­rungsfunktion von Bünden –, die zeitgemäße Pfadfindererziehung praktizieren und weiterent­wickeln, allzu häufig jedoch ohne hinreichende Kenntnis der sie prägen­den historischen und pädagogischen Grundla­gen.

Als Initiator der ersten Fachtagung sind wir den Professoren und Institutsleitern der Phillips-Universität Marburg Dr. Eckart Conze und Dr. Matthias D. Witte außerordentlich dankbar, dass sie unsere Anregungen aufgenommen und in der Programmgestaltung insbesondere den interdisziplinären Dialog angestoßen haben. So ergab sich eine ausgesprochen fruchtbare Zusammenarbeit zwischen der wissenschaftlichen Leitung einerseits, und der organisatorischen Leitung durch den PHF andererseits. Sehr dankbar sind wir den acht Referenten, die durch ihre fachlich fundierten Vorträge aus ihrem jeweiligen Forschungsgebiet die Aufmerksamkeit der Teilnehmer gewonnen und immer wieder zu lebhaften Diskussionen angeregt haben.

Dank schließlich auch den 80 Teilnehmern, die durch interessiertes Zuhören und lebhafte Diskussionen zum Gelingen der Tagung beigetragen haben. Auch sie haben uns in unserem Vorhaben ermutigt, im März 2012 eine Folgetagung mit ähnlicher Zielsetzung und Struktur am gleichen Ort durchzuführen.

Pfadfinder Hilfsfond e.V., im Februar 2011

Martin Lochter, Vorsitzender

 

 

2012 - PHF-Vorwort Tagungsband

Vorwort

Pfadfinderbewegung und Wissenschaft sind sich lange Jahre aus dem Weg gegangen; mehr als 100 Jahre hat es gedauert, bis Pfadfinden ein Objekt wissenschaftlicher Betrachtung wurde. So geschehen auf der ersten wissenschaftlichen Fachtagung im März 2010 in Wolfshausen bei Marburg. Interdisziplinär beleuchteten Historiker, Erziehungswissenschaftler und Soziologen die weltumspannende Bewegung, die gerade in Deutschland besondere Ausprägungen kennt. Dem großen Zuspruch und Nachklang dieser ersten Fachtagung geschuldet, fanden sich exakt zwei Jahre später am gleichen Ort erneut unter der wissenschaftlichen Leitung von Prof. Dr. Matthias D. Witte, der auch die erste Tagung maßgeblich mitgestaltete und verantwortete, Wissenschaftler aus verschieden Disziplinen ein, und mit ihnen eine große Zahl von Tagungsteilnehmern zwischen 20 und 90 Jahren jedweder jugendbewegter und fachlicher Couleur.

Professor Witte und seiner Kollegin Dr. Yvonne Niekrenz gelang es, über das lange Wochenende hinweg gemeinsam mit den sehr unterschiedlichen Referenten und äußerst diskussionsfreudigen Teilnehmern einen Spannungsbogen aufzubauen, dessen Essenz in diesem Buche nachzuverfolgen ist.

Als Pfadfinder sind wir es gewohnt, weit größere Veranstaltungen auf die Beine zu stellen. Aber keine der großen Fahrten und internationalen Jamborees (Weltpfadfindertreffen) hat es bislang geschafft – es war ja auch nicht ihr Auftrag – der Pfadfinderbewegung einen Spiegel vorzuhalten, den sie dringend benötigt, um sich ein unabhängiges Eigenbild zu verschaffen, um zu verstehen, wie sie in die und in der Gesellschaft wirkt. Doch Spiegel reflektieren nicht nur. Spiegel können auch Licht konzentrieren, polarisieren und umlenken. So wie sich gesellschaftliche Veränderungen immer auch in der Pfadfinderbewegung wiederfanden, so ist es wichtig und vielleicht sogar notwendig, dass Pfadfinden seine über 100 Jahre unverändert bestehenden ethischen und pädagogischen Werte mitten ins Herz unserer Gesellschaft zurückwirft, mit konstruktiver Zivilisationskritik, am konkreten Beispiel aufzeigend, wie Erziehung anders funktionieren kann, Millionenfach erprobt. Nämlich als Selbsterziehung in einer überschaubaren Gemeinschaft, an inspirierendem Ort (der Natur) und unter Zuhilfe­nahme aller 7 Sinne und der eigenen Schaffenskraft.

Traditionen sind hilfreich, aber immer wieder zu hinterfragen, zu erweitern, zu erneuern. Traditionen, Bräuche und Regelwerke helfen Jugendlichen selbst frühzeitig Leitung und Verantwortung für sich und andere zu übernehmen, und auf dem so gelegten Fundament aufzubauen. So kann das Prinzip „Jugend führt Jugend“ erfolgreich umgesetzt werden. Eine Matrize für die Führung moderner Firmen?

Es gäbe aus unserer Sicht vieles, was sich für Gesellschaft und Wirtschaft lohnen würde, von uns Pfadfindern aufzunehmen. Pfadfinder selbst wiederum benötigen den Freiraum und die Anerkennung ihrer Arbeit, um weiterhin „liefern“ zu können: Autonome, begeisterungsfähige, sozial kompetente Menschen, die bereit und in der Lage sind, dort wo sie hingestellt werden, Führung und Verantwortung zu übernehmen.

Eliteschmiede? Vielleicht auch das – zumindest eine interessante Fragestellung für eine zukünftige Fachtagung.

Wir sind froh, den Dialog zwischen Pfadfinderbewegung und Gesellschaft mit Hilfe der Wissenschaft auf einer neuen und hochwertigen Ebene eröffnet zu haben. Die große Resonanz von Teilnehmern und Referenten ist uns Ansporn und Verpflichtung zugleich, in partnerschaftlicher Zusammenarbeit, den Wissenschaftlern den nötigen Spielraum zu geben, in dem wir in bewährter Weise die Organisation sowie personelle und finanzielle Ressourcen für weitere Fachtagungen zur Verfügung stellen. Der zweiten Tagung wird eine dritte im Frühjahr 2014 – und damit selbst schon ein wenig in einer guten Tradition – folgen. Dann jedoch in Mainz in Zusammenarbeit mit dem Fachbereich Erziehungswissenschaften der Johannes Gutenberg Universität unter der wiss. Leitung von Prof. Dr. Matthias D. Witte. Wir sind gespannt auf neue Fragestellungen und Antworten.

Die Notwendigkeit und Sinnhaftigkeit dieser Tagungsreihe hat viele Menschen aus der Pfadfinderszene begeistert. So hat der „bekennende Pfadfinder“ Bundespräsident a.D. Prof. Dr. Horst Köhler die Schirmherrschaft für die Tagung 2014 gern übernommen.

Allen Lesern empfehlen wir die Lektüre des ersten Bandes dieser sich abzeichnenden Reihe: „Pfadfinden – eine globale Erziehungs- und Bildungsidee aus interdisziplinärer Sicht, E. Conze und M.D. Witte (Hrsg.), Springer VS 2012

 

Pfadfinder Hilfsfond e.V.

Jörg Krautmacher , Vorsitzender, Februar 2013

 

2014 - PHF-Vorwort Tagungsband

Vorwort des Trägers Pfadfinder Hilfsfond e.V. zum Tagungsband 2014

Die Pfadfinderbewegung ist eine internationale, weltanschaulich und politisch unabhängige Erziehungsbewegung, die jungen Menschen aller Nationalitäten und Glaubensrichtungen offensteht. Sie hat das Ziel, die Persönlichkeitsentwicklung und das gesellschaftspolitische Engagement zu fördern – dies auf den Grundlagen und mithilfe der Methodik ihres Gründers Lord Robert Baden Powell, der die Pfadfinderbewegung im Jahre 1907 in England gründete.

Heute gehören dieser Bewegung weltweit mehr als 40 Millionen Kinder und Jugendliche an und erleben in ihr eine schöne, sinngebende und ihren Lebensweg prägende Freizeitgestaltung.

Pfadfinden in Deutschland zeigt ein breites und vielfältiges Spektrum an qualifizierter Jugendarbeit und ist zudem ständigen Anpassungsbestrebungen unterworfen, die ein homogenes Bild erschweren. Die hiesige starke Ausdifferenzierung der Pfadfinderbewegung – eine spezifisch deutsche Erscheinung – hat dazu geführt, dass zurzeit ca. 90 selbstständige Bünde und Verbände bestehen.

Der Pfadfinder Hilfsfond (PHF) hat es sich zur Aufgabe gemacht, neben seiner direkten Förderung von Pfadfindergruppen und -projekten erstmals eine systematische wissenschaftlich fundierte Auseinandersetzung mit dem Pfadfindertum, seiner pädagogischen Grundkonzeption und den geschichtlichen Wandlungsprozessen anzustoßen und zu organisieren. Der PHF entschied sich für die Form der wissenschaftlichen Fachtagung und startete damit im Jahre 2010 eine kleine Erfolgsgeschichte.

Gleich die erste Fachtagung unter der wissenschaftlichen Leitung von Prof. Dr. Eckart Conze und Prof. Dr. Matthias D. Witte, beide Philipps-Universität Marburg, in Marburg-Wolfshausen erhielt großen Zuspruch im Fachpublikum. Der zugehörige Tagungsband trägt den Titel »Pfadfinden. Eine globale Erziehungs- und Bildungsidee aus interdisziplinärer Sicht« und wurde 2012 von Eckart Conze und Matthias D. Witte im Springer VS-Verlag herausgegeben.

Wegen des großen Interesses an der wissenschaftlichen Aufarbeitung des Generalthemas »Pfadfinderpädagogik« fand schon zwei Jahre später die zweite Fachtagung Pfadfinden 2012 am gleichen Ort statt. Während sich die erste Tagung mit der geschichtlichen Entwicklung der Pfadfinder in Deutschland aus interdisziplinärer Sicht auseinandergesetzt hatte, standen nunmehr Gegenwartsdiagnose und Zukunftsorientierung der Pfadfinderbewegung im Fokus. Das zugehörige Buch erschien 2013 wiederum im Springer VS-Verlag, herausgegeben von Matthias D. Witte und Yvonne Niekrenz unter dem Titel »Aufwachsen zwischen Traditions-und Zukunftsorientierung. Gegenwartsdiagnosen für das Pfadfinden«.

Der hier vorgelegte Tagungsband »International und weltoffen? Das Pfadfinden als weltweite Kinder- und Jugendbewegung« fußt auf den Beiträgen der dritten »Fachtagung Pfadfinden«, die im Februar 2014 in Mainz in Zusammenarbeit mit dem Institut für Erziehungswissenschaft der Johannes Gutenberg-Universität Mainz unter der wissenschaftlichen Leitung von Prof. Dr. Matthias D. Witte und Dr. Yvonne Niekrenz, Universität Rostock, stattgefunden hat.

Den Referentinnen und Referenten sei Dank für die Aufbereitung ihrer Vorträge zu Beiträgen für das nun vorliegende Buch. Besondere Anerkennung zollen wir Matthias Witte für dessen Kontinuität in der Leitung der Tagungsreihe und für die gleichzeitig einzigartige und spannende thematische Profilierung jeder einzelnen Tagung.

Viele Menschen weit über die Pfadfinderszene hinaus sind inzwischen von der Notwendigkeit und Sinnhaftigkeit der Reihe »Fachtagung Pfadfinden« überzeugt. So hat der »bekennende Pfadfinder« Bundespräsident a.D. Prof. Dr. Horst Köhler die Schirmherrschaft für die Tagung 2014 gern übernommen. Auch die Vorstellungen des PHF, Pfadfinden wissenschaftlich zu untersuchen und z.B. der Pfadfinderarbeit in Deutschland gewissermaßen einen Spiegel vorzuhalten, konnten – so scheint uns – immer mehr Anklang finden. Zu jeder Folgetagung der nunmehr etablierten Tagungsreihe haben sich mehr Teilnehmerinnen und Teilnehmer angemeldet, zuletzt 120.

Jedes der Symposien sprach aber auch weitere Themen an und warf neue Fragen auf, die nun in weiteren Folgeveranstaltungen bearbeitet werden sollten. Dies ist uns Ansporn und Auftrag zugleich, die erfolgreich begonnene Reihe fortzuführen und – wenn möglich – mit anderen Lehr- und Forschungsformaten anzureichern.

Wir glauben, dass das Erfolgsrezept: Wissenschaftliche Leitung durch namhafte Wissenschaftler und organisatorische Leitung durch ein Team aus engagierten Pfadfindern verschiedener Bünde unter Federführung des PHF weiterträgt und die ehrenamtliche Durchführung sowie eine tragfähige Finanzierung längerfristig gelingen wird.

Es stimmt uns zuversichtlich, dass die Weichen für die vierte Tagung 2016 schon gestellt worden sind. Insbesondere durch die Beteiligung der Pfadfinder und Pfadfinderinnen Österreichs (PPÖ), der Ringe deutscher Pfadfinderinnen- und Pfadfinderverbände (rdp), des Verbandes deutscher Altpfadfindergilden (VDAPG) sowie des Bundes Moslemischer Pfadfinder und Pfadfinderinnen Deutschlands (BMPPD) konnte eine breite Basis zur Fortführung der Tagungsreihe gelegt werden.

Pfadfinder Hilfsfond e.V.

Martin Lochter, Referent Fachtagungen

 

2014 - Eindrücke (P. Lehar)

Einer Jugendbewegung auf den Zahn gefühlt

Pfadfinden assoziieren die meisten mit Lagerfeuer, Zeltlager und Abenteuer. Sie zeichnet sich oft mehr durch Erleben und aktiv sein aus als durch Diskutieren und wissenschaftliche Reflexionen. Die Pfadfinderbewegung scheint ein wahrer Überlebenskünstler zu sein, und die Pfadfinderpädagogik prägte zahlreiche Menschen in ihrem Leben und strahlte weit über die eigenen Reihen hinaus.

Nach zwei Tagungen 2010 und 2012 in Zusammenarbeit mit der Phillips-Universität Marburg luden nunmehr die Johannes Gutenberg Universität Mainz und der Pfadfinder Hilfsfond e.V. zur 3. Fachtagung Pfadfinden ein. Zum Gelingen beigetragen hatte auch die (finanzielle) Unterstützung durch den Verband der Altpfadfindergilden. Die Initiative traf den Nerv der Zeit. 120 Teilnehmende und ReferentInnen folgten der Einladung in das Jugendgästehaus Mainz. Mit dabei junge und alte PfadfinderInnen aus verschiedenen Gruppen und Verbänden, aber auch andere Interessierte sowie Wissenschaftler aus dem In- und Ausland waren vertreten.

In drei Sektionen beleuchteten die Vortragenden das Tagungsthema „Pfadfinden weltweit. Verortung einer transnationalen Bildungsidee und Jugendbewegung“. Nach Begrüßung und Eröffnung durch den wiss. Leiter der Tagung, Prof. Dr. Matthias D. Witte, Mainz, führte Hartmut Keyler aus München, einer der prominentesten Akteure der deutschen und internationalen Pfadfinderbewegung, lebhaft und unterstützt durch Karikaturen aus eigener Feder, ein in die Entwicklung der World Organization of the Scout Movement (WOSM) und der Pfadfinderei in Deutschland. Expertise aus dem Quellenmaterial seines Privatarchivs sowie aus dem VCP-Archiv floss ebenso ein, wie persönliche Erlebnisse.

Annette Scheunpflug von der Universität Bamberg, selbst lange Jahre aktiv im Verband Christlicher Pfadfinderinnen und Pfadfinder, stellte Samstag morgen ihre Forschungen vor, wie Jugendliche in Begegnungsreisen das Andere und die Weltgesellschaft wahrnehmen. Eigentlich wollte sie sich nie wissenschaftlich mit der Pfadfinderbewegung befassen, nun aber hatte es sie und ihre Kollegin in diesem Forschungsprojekt von hinten erwischt. Denn neben anderen (Schulen, Kirchen, Chören, Verbänden) führen auch PfadfinderInnen internationale Jugendbegegnungen durch.

Nach diesem Blick in die Weite richtete Marius Harrig von der Universität Mainz den Blick auf zwei sozial benachteiligte Stadtteile in Bremen und zeichnete einen steinigen Boden für die Pfadfinderarbeit nach. In einer Kooperation von Schule und Pfadfinderverband sah er große Chancen für beide Bildungsträger.

Wilfried Breyvogel aus Essen stellte die Symbole und Embleme der Pfadfinder und Wandervögel im Deutschland des 20. Jahrhunderts in den Vordergrund. Und er ging unter anderem der Frage nach, ob die Pfadfinder ein selbstständiger Teil der Jugendkultur seien? Den Hintergrund für seinen Blick auf die Symbole bildete Ernst Cassirer mit seinem magischen Kosmos.

Vor der Mittagspause holte die Vorstellung des Projekts „Scouting Train 2014“ alle wieder zurück ins Praxisfeld und zeigte ein Leuchtturmprojekt der gegenwärtigen Pfadfinderarbeit auf. Wilfried Ferchhoff verhinderte mit seinem lebendigen und engagierten Vortrag den ungewollten Mittagsschlaf und nahm seine Zuhörer mit auf eine Reise durch die verschiedenen Jugendkulturen im Lauf der Zeit.

Sonja Werle fokussierte wieder auf die Pfadfindermethode und richtete ihren Blick auf die Kernelemente der Pfadfinderarbeit nach WOSM und ordnete die Pfadfinderbewegung ein in die amerikanische Reformpädagogik. Unter anderen hob sie den im deutschsprachigen Raum oft zu unrecht vergessenen Ernest Thompson Seton hervor. Ihr Vortrag richtete den Blick hinaus in die Welt nach Finnland, Hongkong und Äthiopien.

Jörg Brandmayer sprach über Homophobie bei den Boy Scouts of America. Inhaltlich blieb er aber nicht nur in den USA, sondern erzählte sehr authentisch von eigenen Erfahrungen in seinem Pfadfinderverband und von Beispielen aus der deutschen Gesellschaft. Sehr überzeugend warb der Wiesbadener für eine Kultur des Miteinanders.

Etwas trockener, aber nicht weniger spannend sprach Gideon Botsch aus Potsdam über Nationalismus und Militarismus in der Pfadfinderbewegung. Sein inhaltlicher Schwerpunkt lag dabei auf Deutschland.

Am Sonntag gaben Cheikh Khaled Bentounes und Mitglieder des Bundes Moslemischer Pfadfinderinnen und Pfadfinder (BMPPD) Einblick in die Pfadfinderarbeit der moslemischen Pfadfinder und Pfadfinderinnen in Frankreich und Deutschland. Cheikh Khaled Bentounes zeigte an Beispielen aus Frankreich ebenso deutlich wie das Projekt „Flamme der Hoffnung“ des BMPPD mit der „Charta des friedlichen Zusammenlebens“, dass Pfadfinder auch heute in Europa zu einem Miteinander der Kulturen beitragen können.

Mit einer kurzen Abschlussdiskussion schloss der inhaltliche Teil der Tagung. Trotz der zahlreichen Vorträge, Diskussionen und Pausengespräche blieben natürlich offene Fragen.

Während des Tages rauchten die Köpfe, abends beim gemütlichen Beisammensein fand ein reger Austausch statt. Lieder erklangen und manch alter Pfadfinder fühlt sich versetzt in die Tage seiner Jugend.

Am Sonntagmittag beim Abschiedskreis freuten sich viele bereits auf die 4. Fachtagung 2016. Mit Spannung wird der Tagungsband erwartet, der im Springer-VS Verlag erscheinen wird. Er wird alle Vorträge und weitere Erkenntnisse aus der Tagung beinhalten. Damit müssen aber alle Teilnehmer noch bis zum Jahreswechsel Geduld haben.

Mag. Philipp Lehar, Tagungsteilnehmer

 

 

 

2016 - PHF-Vorwort Tagungsband

Vorwort des Trägers Pfadfinder Hilfsfonds zum Fachtagungsband 2016

„Pfadfinderische Beziehungsformen und Interaktionsstile.“ Unter diesem Thema fanden sich vom 19. bis 21. Februar 2016 etwa 120 interessierte und wissbegierige Teilnehmer und Referenten zur vierten Fachtagung Pfadfinden in Oberwesel ein, um sich intensiv mit dem Thema auseinanderzusetzen. Die Tagung knüpfte dabei an drei vorausgehende Tagungen an, die 2010 in Marburg Wolfshausen begonnen haben.

Ziel der Veranstalter war und ist es, eine systematische, wissenschaftlich fundierte Auseinandersetzung mit dem Pfadfindertum, seiner pädagogischen Grundkonzeption und den geschichtlichen Wandlungsprozessen anzustoßen und zu organisieren. Die Form der wissenschaftlichen Fachtagung scheint dafür ein geeignetes Format zu sein, das sich tatsächlich zu einer Erfolgsgeschichte entwickelt hat. Entscheidend dazu beigetragen haben die vom renommierten Springer Verlag herausgegebenen Tagungsbände. Sie ermöglichen es, einem weit über die Tagungsteilnehmer hinausgehenden Kreis von Mitarbeitern an Universitäten und Hochschulen, Doktoranden und Interessierten, sich mit der Pfadfinderpädagogik im weitesten Sinne und den an sie angrenzenden Themen in der Tiefe auseinander zu setzen.

Der erste Tagungsband trägt den Titel Pfadfinden. Eine globale Erziehungs- und Bildungsidee aus interdisziplinärer Sicht und wurde 2012 von Eckart Conze und Matthias D. Witte im Springer VS-Verlag herausgegeben.

Die Folgetagung fand schon zwei Jahre später 2012 wieder in Wolfshausen statt. Das zugehörige Buch erschien 2013 wiederum im Springer VS-Verlag, herausgegeben von Matthias D. Witte und Yvonne Niekrenz mit dem Titel Aufwachsen zwischen Traditions-und Zukunftsorientierung. Gegenwartsdiagnosen für das Pfadfinden.

Bei der dritten Tagung stand die Frage „International und weltoffen? Das Pfadfinden als weltweite Kinder- und Jugendbewegung“ im Mittelpunkt. Die Ergebnisse sind nachzulesen im Tagungsband Pfadfinden weltweit. Die Internationalität der Pfadfindergemeinschaft in der Diskussion herausgegeben von Matthias D. Witte im Springer-Verlag 2015.

Der nun hier vorgelegte Tagungsband fußt auf den Beiträgen der vierten Fachtagung Pfadfinden, die im Februar 2016 in Oberwesel in Zusammenarbeit mit der Universität Duisburg-Essen unter der wissenschaftlichen Leitung von Prof. Dr. Wilfried Breyvogel und Prof. Dr. Helmut Bremer stattgefunden hat. Erstmalig wurden neben Vorträgen zu speziellen Themen auch 5 Workshops angeboten, in denen die Teilnehmer intensiv an Detail-Themen arbeiten und mit Hilfe von Moderatoren/Workshop-Leitern zielorientierte Ergebnisse formulieren und im Plenum vortragen konnten. Die Publikation gibt also nicht nur die Vorträge der Referenten wieder, sondern bezieht bewusst die Impulsreferate und Ergebnisse der Workshops mit ein. Dies führt naturgemäß zu einem deutlich umfangreicheren vierten Tagungsband von fast 320 Seiten, eröffnet aber gleichzeitig interessante und praxisorientierte Ausführungen, die im Kontext pfadfinderischer Arbeit mit Sicherheit Verwendung finden werden.

Die überregionale und interdisziplinäre Bedeutung einer solchen Veranstaltungsreihe möchten wir gerne in die besondere Aufmerksamkeit öffentlichen Interesses rücken. Wir freuen uns deshalb außerordentlich, dass die Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz, Frau Malu Dreyer, die Schirmherrschaft für die Fachtagung Pfadfinden 2016 übernommen hat und damit auch der gesellschaftliche Nutzen pfadfinderischer Jugendarbeit besonders gewürdigt wurde.

Veranstaltungen mit professionellem Charakter wie die Fachtagung Pfadfinden müssen auch für den wissenschaftlichen Nachwuchs weiterhin bezahlbar bleiben. Dazu trägt die ehrenamtliche Arbeit eines hoch motivierten Tagungsteams wie auch in besonderem Maße die Förderung durch die Firma Globetrotter Ausrüstung in Hamburg bei, die sich von der gesellschaftlichen Relevanz des Vorhabens überzeugen lassen konnte. Das Engagement für Natur und Umwelt und ein fairer Umgang miteinander sind Prinzipien für Globetrotter seit der Gründung im Jahre 1979 und vereinbaren sich gut mit den pfadfinderischen Grundwerten.

Den Referentinnen und Referenten, sowie den Moderatoren der Workshops sei herzlich gedankt für die Aufbereitung ihrer Vorträge und die Zusammenfassungen der Workshops zu nachvollziehbaren Beiträgen für das nun vorliegende Buch. Ein besonderer Dank geht an Wilfried Breyvogel, der als Herausgeber in akribischer Arbeit die Redaktion der Beiträge zu einem in sich geschlossenen Buch übernommen und so die Herausgabe in einem erfreulich kurzen Zeitraum ermöglicht hat.

Für die Zukunft stimmt uns zuversichtlich, dass die Weichen zur Durchführung einer fünften Tagung 2018 in der Kooperation Fachtagung von Pfadfinder Hilfsfond (PHF) mit den Pfadfindern und Pfadfinderinnen Österreichs (PPÖ), den Ringen deutscher Pfadfinderinnen- und Pfadfinderverbände (rdp), dem Deutschen Pfadfinderverband (DPV) und dem Verband deutscher Altpfadfindergilden (VDAPG) schon gestellt worden sind. So konnte eine breite Basis zur Fortführung der Tagungsreihe in der (auch für andere noch offenen) Kooperation geschaffen werden. Mit Fug und Recht können wir aufgrund der Kontinuität und des Zwei-Jahres-Rhythmus von einer Fachtagungsbiennale reden.

Pfadfinder Hilfsfond e.V.
Martin Lochter, Referent Fachtagung

 

 

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